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Kollodium

Das Nasskollodium-Verfahren

Das Nasskollodium-Verfahren gibt es seit 1851. Sehr schnell dominierte diese Technik die Fotografie, verschwand etwa ab 1880 aber fast völlig, als verbesserte, industriell gefertigte Trockenplatten preiswerter wurden. Die waren zwar nicht so gut wie Nasskollodium, ermöglichten aber ein wesentlich komfortableres Arbeiten.
Gebräuchliche Namen für Kollodiumverfahren sind z.B. Ambrotypie, Wetplate-Collodion, Ferrotypie und Tintype.

Wie der Name sagt, ist dies ein Nass-Verfahren, d.h. die Platten müssen innerhalb eines recht knappen Zeitfensters verarbeitet werden, bevor sie austrocknen.
Der Fotograf benötigt daher immer eine Dunkelkammer vor Ort, um die Platten zu präparieren und nach der Belichtung unverzüglich zu entwickeln.

Das Kollodium-Verfahren ersetzte die zwei ersten erfolgreichen Verfahren der Fotogeschichte praktisch völlig: zum einen die Daguerreotypie, extrem filigrane Unikate auf polierten Silberplatten und zum anderen die Kallotypie, schwummrige Negative auf Wachspapier. Die für damals sehr hohe Empfindlichkeit ermöglichte zum ersten mal „Momentaufnahmen“ mit Belichtungszeiten von gerade mal einer Sekunde bei optimalen Bedingungen.

Kollodium-Bilder können auf Glas oder Metallplatten belichtet werden. Auf dunklem Glas oder Metall ergeben sie spiegelverkehrte Direktpositive, quasi Polaroids des 19. Jahrhunderts, die in Anmutung und Qualität Daguerreotypien ähneln.

Fotografiert man auf transparentes Glas, können extrem hochwertige Negative hergestellt werden, die traditionell auf – ebenfalls sehr hochwertiges – Albuminpapier abgezogen wurden.
Damit begann das Zeitalter der Reproduzierbarkeit von Lichtbildern.

Der Prozess:

Der Prozess ist sehr handwerklich und hat viele Variablen. Fotografisches Kollodium ist eine relativ flüchtige Mischung aus Baumwolle, Äther und Alkohol, die mit Jod- und Bromverbindungen „gesalzen“ wird. Mit dieser syrupartigen Flüssigkeit beschichtet der Fotograf Glas- oder Metallplatten. In einem Silberbad werden die Platten sensibilisiert, in der Kamera belichtet, dann mit Eisenvitriol in nur 15 Sekunden entwickelt, fixiert und gewässert.

Das Nassplatten-Verfahren ist wie die Daguerreotypie eigentlich eine Nano-Technologie des 19. Jahrhunderts (natürlich ohne dass deren Erfinder das so bezeichnet hätten), und hat erstaunlich wenig mit den später gebräuchlichen „analogen“ Verfahren in der Fotografie zu tun.

Kollodium-Fotografien sind außergewöhnlich scharf und hochauflösend, gleichzeitig haben die Bilder die unvermeidbaren Fehler und Artefakte des Handgemachten und eine „Aura“, die man sonst nur von sehr alten Fotografien kennt.
Die Lichtempfindlichkeit ist für heutige Verhältnisse mit um die 1 ASA extrem niedrig. Außerdem ist das Material praktisch nur für blaues und UV-Licht sensibilisiert, was zu der sehr charakteristischen Grauwertübertragung führt, die sich zum Beispiel in ganz ungewohnten Hauttönen äußern kann.

Moderne Kollodiumfotografie

Das Kollodium-Verfahren hat wie andere historische Techniken in den letzten Jahren eine Renaissance erfahren. Heute wird die Nassplatten-Fotografie wieder von einer Handvoll Spezialisten gepflegt: Fotohistoriker, Künstler, passionierte Amateure. Eine Faszination dieser archaischen und langsamen Technik liegt zum einen in den unbeschreiblich qualitätvollen Ergebnissen, zum anderen aber gerade in der Imperfektion, den Artefakten und Unregelmäßigkeiten der handgemachten Platten.

Ich biete Aufnahmen, Demonstrationen und Workshops in dieser faszinierenden Technik an.

Kontakt: kollodium(ät)peter-kunz-fotografie.de